Hanf ist eine robuste Pflanze, aber selbst die härtesten Sorten haben ihre Grenzen. Wenn du Hanf im Freien anbaust, musst du wissen, wann es zu kalt wird, damit deine Pflanzen nicht sterben. Viele Anfänger denken, Hanf sei ein Unkraut - und das ist es auch. Aber Unkraut kann nicht jedes Wetter überleben. Sobald die Nachttemperaturen unter 10 °C fallen, beginnt die Pflanze zu stressen. Und bei Frost? Dann ist es vorbei.
Die optimale Temperatur für Hanf im Wachstumsstadium
Während der Vegetationsphase, also von der Keimung bis zur Blüte, braucht Hanf Wärme. Die ideale Tagtemperatur liegt zwischen 20 und 30 °C. Nachts sollte es nicht unter 15 °C fallen. Bei Temperaturen unter 15 °C verlangsamt sich die Photosynthese, die Wurzeln arbeiten schlechter, und die Pflanze bleibt klein. Sie wächst nicht mehr, sie überlebt nur noch.
Das ist kein Mythos. Studien vom deutschen Hanf-Forschungsinstitut zeigen, dass Hanfsorten wie Autoflowering Northern Lights bei 12 °C nach 14 Tagen nur 15 % der normalen Wachstumsrate erreichen. Bei 8 °C stoppt das Wachstum fast vollständig. Die Blätter färben sich gelb, die Stängel werden schwach, und die Pflanze wird anfällig für Pilze.
Wie kalt ist zu kalt für Hanf?
Die einfache Antwort: Unter 5 °C ist es zu kalt für Hanf. Bei Temperaturen unter diesem Punkt beginnt das Zellgewebe zu gefrieren. Die Zellen platzen, die Pflanze verwelkt innerhalb von Stunden - selbst wenn es nur eine einzige Nacht mit Frost war.
Du kannst das selbst testen: Nimm eine junge Hanfpflanze, stell sie für eine Nacht auf den Balkon, wenn es 3 °C hat. Am nächsten Morgen ist sie weich, dunkelgrün und nicht mehr aufrecht. Das ist kein Zeichen von Schlaf - das ist der Beginn des Todes.
Einige robuste Sorten wie Critical Mass oder Northern Lights halten etwas länger aus - aber nur bis zu 2-3 Tage bei 4-5 °C. Danach ist der Schaden irreversibel. Und wenn du auf Blüten setzt? Dann ist es noch schlimmer. Blüten entwickeln sich nur bei konstanten Temperaturen über 16 °C. Bei Kälte bleiben sie klein, lose und voller Samen - nicht wertvoll für Ernte oder Konsum.
Wann beginnt die Gefahr im Jahr?
In Mitteleuropa ist die letzte Nacht mit Frost meist zwischen Mitte Mai und Anfang Juni. Das bedeutet: Hanf solltest du erst ab Ende Mai ins Freie stellen. Wer früher pflanzt, riskiert eine kalte Überraschung. Selbst wenn es tagsüber 22 °C hat, kann die Nacht plötzlich auf 3 °C fallen - besonders in Tallagen oder bei klarem Himmel.
Im Herbst ist die Gefahr genauso groß. Wenn die Tage kürzer werden, kühlt die Luft schneller ab. Ab Ende August kannst du nicht mehr davon ausgehen, dass es nachts über 10 °C bleibt. Ab Anfang September ist die Wahrscheinlichkeit für Frost in den meisten Regionen Deutschlands, Österreichs und der Schweiz deutlich erhöht.
Ein praktischer Tipp: Schau dir den Wetterdienst deiner Region an - nicht nur die Durchschnittswerte, sondern die historischen Minima der letzten 10 Jahre. In Bayern lag die späteste Frostnacht 2023 am 12. Juni. In Brandenburg war es am 5. Mai noch frostig. Du musst deine Region kennen, nicht den Durchschnitt.
Was tun, wenn es doch kalt wird?
Wenn du deine Pflanzen schon draußen hast und plötzlich ein Kälteeinbruch droht, gibt es drei bewährte Methoden, sie zu schützen:
- Abdecken mit Vlies: Ein leichtes, atmungsaktives Vlies (20-30 g/m²) hält bis zu 4 °C mehr im Bereich der Pflanze. Lege es abends über die Pflanzen und entferne es am Morgen, damit sie Licht und Luft bekommen.
- Wasser geben: Feuchte Erde speichert Wärme. Wenn die Luft kalt wird, gibt der Boden die Wärme langsam ab. Gib abends etwas Wasser - aber nicht zu viel. Staunässe macht die Wurzeln anfälliger für Fäulnis.
- Temporäre Gewächshäuser: Ein einfaches Folienzelt oder ein kleines Gewächshaus aus PVC-Rohren und Folie kann die Temperatur um 5-8 °C erhöhen. Du brauchst keine teure Anlage - ein Kasten aus Holz und transparenter Plane reicht für 3-5 Pflanzen.
Vermeide Heizlüfter oder Glühbirnen - sie verbrauchen zu viel Strom, trocknen die Luft aus und können die Pflanzen verbrennen. Und nein, eine Decke aus Wolldecken oder alten Tüchern hilft nicht. Die sind zu dick, halten keine Luft und verhindern die Belüftung. Vlies ist der einzige sichere Weg.
Indoor-Anbau: Auch hier gibt es Grenzen
Du denkst, Indoor ist sicher? Nicht immer. Viele Anbauer vergessen, dass Heizungen nicht immer gleichmäßig arbeiten. In Kellerräumen, Garagen oder schlecht isolierten Zimmern kann es trotz Heizung nachts auf 10 °C fallen - besonders, wenn die Heizung abgeschaltet wird.
Wenn du Hanf in einem Raum mit Heizung anbaust, stell sicher, dass die Temperatur nachts nicht unter 15 °C sinkt. Nutze einen digitalen Temperatursensor mit Alarm. Ein einfaches Gerät von TFA oder Xiaomi kostet unter 20 € und warnt dich per App, wenn es zu kalt wird.
Und wenn du keine Heizung hast? Dann ist Indoor-Anbau ohne Heizung kein realistisches Szenario. Hanf braucht Wärme - nicht nur Licht. Ohne konstante Wärme wirst du keine Blüten, keine Ernte, nur eine tote Pflanze.
Sortenwahl: Welche Hanfsorten vertragen Kälte besser?
Nicht alle Hanfsorten sind gleich. Einige wurden speziell für kältere Klimazonen gezüchtet. Wenn du in Norddeutschland, Skandinavien oder in den Bergen lebst, wähle Sorten mit:
- Kurze Blütezeit (6-8 Wochen)
- Hoher Frosttoleranz (unter 10 °C überlebbar)
- Starker Stängel und dichte Blätter
Bekannte kälte-resistente Sorten:
- Northern Lights - klassische Autoflowering-Sorte, verträgt Temperaturen bis 5 °C kurzfristig
- Critical Mass - robust, schnelle Blüte, gut für kühle Sommer
- White Widow - widerstandsfähig, aber nur bis 8 °C
- Lowryder #2 - die kälteste aller Autoflowers, entwickelt für Nordwesteuropa
Vermeide tropische Sorten wie Durban Poison oder Thai Stick - sie brauchen konstant 25-30 °C. In Deutschland sind sie praktisch zum Scheitern verurteilt.
Die 3 größten Fehler beim Hanfanbau bei Kälte
Die meisten Anbauer scheitern nicht an der Kälte selbst, sondern an ihren eigenen Fehlern:
- Falsche Pflanzzeit: Zu früh ins Freie stellen, weil es „ein bisschen warm“ war. Der Boden ist noch kalt, die Wurzeln können nicht wachsen.
- Überwasserung bei Kälte: Kälte verlangsamt die Verdunstung. Wenn du wie im Sommer gießt, stehst du die Wurzeln im Wasser - und sie faulen.
- Kein Monitor: Kein Thermometer, keine Warnung. Du denkst, es ist „nur ein bisschen kalt“ - aber das reicht, um die Pflanze zu töten.
Die Lösung ist einfach: Warte, bis die Nachttemperaturen mindestens 14 Tage lang über 15 °C liegen. Dann erst pflanze. Und kauf dir ein billiges Thermometer - es ist die beste Investition, die du für deine Pflanzen machen kannst.
Was passiert, wenn Hanf zu kalt wird?
Wenn Hanf zu kalt wird, passiert nicht sofort etwas Dramatisches. Die Pflanze reagiert langsam. Zuerst wird sie träge. Die Blätter hängen, die Wachstumsspitzen bleiben klein. Dann färben sie sich gelb oder violett - das ist ein Zeichen für Nährstoffblockade, weil die Wurzeln nicht mehr aufnehmen können.
Später bilden sich braune Flecken an den Blatträndern. Die Stängel werden weich, fast gummiartig. Wenn du sie anfasst, brechen sie leicht. Das ist das Ende. Kein Dünger, kein Licht, kein Wasser kann das noch retten. Die Zellen sind zerstört.
Manche Anbauer denken, sie könnten die Pflanze „wiederbeleben“, wenn es wieder wärmer wird. Das ist eine Illusion. Hanf ist kein Kaktus. Es ist eine warme Pflanze - und wenn sie einmal Frost abbekommt, stirbt sie. Punkt.
Die wichtigste Regel: Warte, bis es sicher ist
Es gibt keine magische Temperatur, die für alle gilt. Aber es gibt eine einfache Regel: Warte, bis die Nachttemperaturen mindestens 14 Tage lang über 15 °C bleiben. Dann ist es sicher. Dann kannst du pflanzen. Dann hast du eine Chance.
Dein Hanf braucht nicht mehr als Wärme, Licht und Wasser. Nicht mehr. Aber ohne Wärme? Dann ist alles andere nutzlos. Du kannst den besten Dünger kaufen, die teuerste Lampe, die perfekte Erde - wenn es kalt ist, wirst du nichts ernten.
Der Anbau von Hanf ist kein Abenteuer. Es ist eine Frage der Präzision. Und die erste Regel lautet: Es ist zu kalt, wenn es unter 15 °C nachts wird. Und es ist zu kalt, wenn du nicht weißt, wie kalt es wird.
Kann Hanf bei Frost überleben?
Nein. Selbst kurze Frostperioden von einigen Stunden töten Hanfpflanzen ab. Die Zellen der Pflanze gefrieren und platzen, was zu irreversiblen Schäden führt. Es gibt keine Hanfsorte, die dauerhaft Frost überlebt.
Ab wann kann man Hanf im Freien pflanzen?
Erst, wenn die Nachttemperaturen mindestens 14 Tage lang über 15 °C liegen. In Deutschland ist das meist Ende Mai bis Anfang Juni. In kälteren Regionen wie den Alpen oder Norddeutschland kann es auch Anfang Juli sein.
Welche Hanfsorten sind kälteresistent?
Kälteresistente Sorten sind Northern Lights, Critical Mass, Lowryder #2 und White Widow. Sie haben eine kurze Blütezeit und können kurzfristig Temperaturen von 5-8 °C überstehen - aber nur, wenn sie nicht gefrieren.
Ist ein Gewächshaus notwendig für Hanfanbau?
Nein, aber es erhöht die Erfolgschancen. Ein einfaches Folienzelt oder ein Kasten aus Holz und Folie kann die Temperatur um 5-8 °C erhöhen und vor plötzlichen Kälteeinbrüchen schützen. Es ist besonders nützlich in kühlen Regionen oder in der Übergangszeit.
Warum wächst Hanf bei Kälte nicht?
Bei Temperaturen unter 15 °C verlangsamt sich die Photosynthese stark. Die Wurzeln können Nährstoffe nicht mehr aufnehmen, die Zellteilung stoppt. Die Pflanze geht in einen Überlebensmodus - sie wächst nicht mehr, sie stirbt nur langsamer.
Susanne Lübcke
Ich hab letztes Jahr versucht, meine Autoflower auf dem Balkon zu lassen, als es nachts 8°C hatte. Am Morgen sah sie aus wie ein nasser Lappen. Kein Wunder, dass die Pflanze nicht mehr aufrecht stand. Manchmal denk ich, wir behandeln Pflanzen wie Handys - wenn sie nicht funktionieren, schmeißen wir sie weg. Aber sie fühlen auch. Sie sterben langsam.
karla S.G
Das ist ja mal ein vernünftiger Text. Endlich mal jemand, der nicht nur von 'Bio' und 'Spiritualität' schwafelt. Hanf ist keine Heilpflanze für Yoga-Hasen, das ist eine Kulturpflanze mit klaren physikalischen Grenzen. Wer das nicht versteht, sollte lieber Tomaten anbauen. Und nein, Vlies ist kein 'Altdeutsches Volksmittel' - das ist Wissenschaft.
Stefan Lohr
Die Aussage, dass Hanf bei unter 5°C stirbt, ist korrekt, aber unvollständig. Die Zellmembranen zerfallen bei Gefrierpunkt durch Kristallbildung, nicht durch 'Platzen'. Das ist biologisch anders. Und die Behauptung, dass 'keine Sorte Frost überlebt', ist falsch. Einige Wildformen aus Zentralasien überleben kurzzeitige Minusgrade. Die hier genannten Sorten sind domestizierte Linien - das ist ein wichtiger Unterschied.