Von Lena Krämer Jan, 9 2026
Wann wächst Hanf am besten? Der perfekte Zeitpunkt für Hanfanbau in Deutschland

Hanf wächst nicht einfach überall und zu jeder Zeit. Wer Hanf erfolgreich anbauen will, muss genau wissen, wann die besten Bedingungen herrschen. In Deutschland ist das nicht einfach eine Frage von Sonne und Regen - es geht um Temperatur, Tageslänge, Boden und sogar die lokale Klimazone. Viele Anfänger pflanzen zu früh, verlieren ihre Pflanzen an Frost oder warten zu lange und verpassen die Ernte. Hier steht, wann Hanf am besten wächst - und warum.

Die natürliche Wachstumsphase von Hanf

Hanf ist eine einjährige Pflanze, die im Frühjahr keimt, im Sommer wächst und im Herbst blüht und stirbt. Das ist nicht anders als bei Mais oder Sonnenblumen. Die Pflanze braucht lange, helle Tage, um zu wachsen - das nennt man langtagpflanze. Sobald die Tage kürzer werden, wechselt sie in die Blütephase. In Mitteleuropa passiert das normalerweise ab Mitte Juli. Wenn du Hanf zu spät pflanzt, hat sie nicht genug Zeit, um groß und stark zu werden - und die Ernte wird klein oder gar nicht.

Die meisten Hanfsorten brauchen 8 bis 12 Wochen vegetative Wachstumsphase. Das heißt: Von der Keimung bis zur Blüte müssen mindestens zwei Monate vergehen. Wenn du im Mai anfängst, hast du bis September Zeit. Wenn du im Juni pflanzt, hast du nur noch 10 Wochen - das reicht, aber es ist knapp. Ab Juli ist es in der Regel zu spät, es sei denn, du hast eine sehr schnelle Sorte und ein warmer Herbst.

Der ideale Zeitpunkt für die Aussaat in Deutschland

In Deutschland ist der beste Zeitpunkt für die Aussaat von Hanf im Freien zwischen Mitte April und Ende Mai. Das ist die Goldzone. Warum?

  • Die Bodentemperatur liegt dann stabil über 10 °C - Hanf keimt nicht unter 8 °C, aber optimal bei 12-18 °C.
  • Die Frostgefahr ist in den meisten Regionen vorbei. Selbst in kälteren Gebieten wie Bayern oder Sachsen ist ab Mitte Mai meistens sicher.
  • Die Tageslänge steigt kontinuierlich - das gibt der Pflanze die Signale, sich zu vergrößern, statt zu blühen.

Wer in Norddeutschland wohnt - also in Regionen wie Schleswig-Holstein, Hamburg oder Mecklenburg-Vorpommern - sollte bis Ende Mai warten. Der Boden erwärmt sich dort langsamer. In Süddeutschland, etwa in Baden-Württemberg oder Bayern, kannst du schon ab Mitte April aussäen, wenn der Boden trocken ist und keine Nachtfroste mehr kommen.

Ein einfacher Trick: Pflanze Hanf, wenn du auch Tomaten oder Paprika in den Garten setzt. Das ist ein guter natürlicher Indikator. Wenn es für diese Pflanzen sicher ist, ist es auch für Hanf sicher.

Warum zu frühe Aussaat scheitert

Viele glauben, je früher, desto besser. Das ist ein gefährlicher Irrtum. Hanf keimt zwar bei 8 °C, aber junge Sämlinge sind extrem kälteempfindlich. Ein einziger Nachtfrost im Mai kann ganze Pflanzen töten. Selbst bei leichtem Frost unter 2 °C bleiben die Blätter eingefroren, die Wurzeln leiden, und die Pflanze bleibt jahrelang zurück.

Im Jahr 2023 gab es in Teilen Sachsens und Thüringens einen späten Frost am 12. Mai. Viele Anbauer, die ihre Hanfpflanzen Anfang April ausgepflanzt hatten, verloren bis zu 70 % ihrer Bestände. Wer im April pflanzt, sollte immer eine Decke oder einen Mini-Gewächshaus bereithalten - aber besser ist: warten.

Ein weiteres Problem: Zu frühe Aussaat führt zu langsamem Wachstum. Die Pflanze bleibt klein, weil die Tage noch kurz sind und die Sonne schwach ist. Sie verbraucht Energie, ohne wirklich zu wachsen. Das macht sie anfällig für Schädlinge und Pilze.

Was passiert, wenn du zu spät pflanzt?

Wenn du Hanf erst im Juni oder Juli pflanzt, passiert Folgendes:

  • Die Pflanze wächst zwar schnell - aber sie blüht viel früher, weil die Tageslänge ab Juni schon abnimmt.
  • Die Wuchshöhe bleibt niedrig: oft unter 1,20 Meter statt 2-3 Meter.
  • Die Blüten werden kleiner, weniger dicht, und die Cannabinoid-Produktion sinkt.
  • Die Ernte fällt im September aus - aber oft ist das Wetter dann schon nass und kalt. Die Blüten faulen, Schimmel greift an.

Ein Fall aus der Praxis: Ein Anbauer in Hessen pflanzte seine Hanfsamen am 15. Juli 2024. Die Pflanzen wuchsen schnell, aber Ende August begannen sie zu blühen. Die ersten Blüten waren schon Ende September reif - aber es regnete zwei Wochen durchgehend. Die Ernte war verdorben. Kein Gewinn, nur Verlust.

Hanfpflanze im Juli, die von Wachstum zur Blüte übergeht, mit langen Blättern und ersten Knospen.

Indoor-Anbau: Hast du mehr Kontrolle?

Wenn du Hanf im Haus oder Gewächshaus anbaust, hast du mehr Flexibilität. Du kannst die Lichtzeiten selbst steuern. Das bedeutet: Du kannst Hanf das ganze Jahr über säen - aber das ist nicht immer sinnvoll.

Warum? Weil Hanf im Freien viel mehr Licht, Luft und Raum bekommt. Eine Pflanze im Haus wird selten so groß wie eine im Garten. Sie braucht starke LED-Lampen, viel Strom, und sie ist anfälliger für Schädlinge. Für Anfänger ist Indoor-Anbau eine komplexe Sache - und teuer.

Wenn du Indoor anbaust, solltest du trotzdem den natürlichen Rhythmus nachahmen: 18 Stunden Licht für das Wachstum, dann 12 Stunden Dunkelheit für die Blüte. So hast du eine bessere Ernte als mit ständigem 24-Stunden-Licht.

Welche Hanfsorten passen zu welcher Zeit?

Nicht alle Hanfsorten sind gleich. Einige sind schneller, andere robust, wieder andere für kältere Regionen gezüchtet.

Beste Hanfsorten für verschiedene Aussaattermine in Deutschland
Aussaatzeit Empfohlene Sorten Wachstumsdauer Typische Höhe
Mitte April - Anfang Mai Sour Diesel, Northern Lights 10-12 Wochen 2,0-3,0 m
Mitte Mai Critical Kush, Amnesia Haze 9-11 Wochen 1,8-2,5 m
Ende Mai Auto-flowering CBD, Fast Buds Blue Dream 7-9 Wochen 0,8-1,5 m

Auto-flowering-Sorten sind besonders nützlich, wenn du nur einen kurzen Sommer hast oder spät anfängst. Sie blühen nicht nach Tageslänge, sondern nach Alter - nach 3-4 Wochen beginnen sie zu blühen, egal was draußen passiert. Das macht sie ideal für Anfänger oder kühle Regionen wie Norddeutschland.

Die 5 goldenen Regeln für den perfekten Hanfanbau

  1. Warte auf den Boden: Nicht auf den Kalender, sondern auf die Temperatur. Der Boden sollte mindestens 12 °C warm sein - misse ihn mit einem einfachen Bodenthermometer.
  2. Pflanze nicht zu dicht: Jede Pflanze braucht mindestens 1 m² Platz. Zu enge Abstände führen zu Schimmel und schwachen Stängeln.
  3. Wähle sonnige Standorte: Hanf braucht mindestens 6 Stunden direkte Sonne pro Tag - besser 8-10. Ein halbschattiger Platz ist kein guter Ort.
  4. Vermeide Staunässe: Hanf mag feuchten Boden, aber nicht nasse Füße. Achte auf Drainage. Ein leichter, sandiger Lehm ist ideal.
  5. Beobachte die Tageslänge: Wenn die Nächte länger werden als 12 Stunden, beginnt die Blüte. Das ist kein Fehler - das ist Natur. Aber du musst wissen, wann sie kommt.
Eine Lupe zeigt Hanf-Trichome, die von klar zu milchig wechseln, während Regenwolken am Himmel ziehen.

Was kommt nach der Aussaat?

Nach dem Pflanzen ist die erste Woche entscheidend. Die Sämlinge sind zerbrechlich. Gieße nur, wenn der Boden trocken ist - zu viel Wasser tötet schneller als zu wenig. Die ersten Blätter erscheinen nach 3-7 Tagen. Wenn sie nach 10 Tagen noch nicht da sind, ist die Saat tot oder zu kalt.

Ab der dritten Woche kannst du mit einem leichten Bio-Dünger beginnen. Hanf ist kein schwerer Fresser - zu viel Stickstoff verbrennt die Wurzeln. Nährstoffe wie Kalium und Phosphor sind im Blütenstadium wichtiger.

Im Juli beginnt die Blüte. Jetzt brauchst du weniger Dünger, aber mehr Luftzirkulation. Schneide überflüssige Blätter ab, damit die Sonne die Blüten erreicht. Und: Kein Wasser mehr auf die Blüten - das macht Schimmel.

Wann ist die Ernte?

Die Erntezeit liegt zwischen Ende September und Mitte Oktober. Die Blüten werden dicht, die Trichome (die kleinen Kristalle) verfärben sich von klar zu milchig und dann leicht braun. Das ist das Zeichen für Reife. Wenn du zu früh erntest, ist der Effekt schwach. Wenn du zu spät erntest, wird der Hanf träge und weniger wirksam.

Ein Tipp: Nimm eine Lupe und schau dir die Trichome an. Wenn 60-70 % milchig sind und 20-30 % braun, ist der perfekte Zeitpunkt. Das ist der Standard für die meisten Anbauer in Deutschland.

Was tun, wenn das Wetter schlecht wird?

Ein kalter, nasser Herbst kann die Ernte ruinieren. Wenn du merkst, dass Regen und Kälte kommen, kannst du:

  • Die Pflanzen mit einer durchlässigen Plane abdecken - aber nicht fest zuziehen. Luft muss raus.
  • Die Blüten vorsichtig mit einem trockenen Tuch abwischen, wenn sie nass sind.
  • Die Ernte vorzeitig starten, wenn Schimmel droht - besser etwas früher als gar nicht.

Einige Anbauer bauen Hanf auch in großen Töpfen an, damit sie die Pflanzen bei schlechtem Wetter ins Haus holen können. Das ist aufwendig, aber es funktioniert.

Kann ich Hanf im Februar im Gewächshaus anbauen?

Ja, im Gewächshaus kannst du Hanf im Februar säen - aber nur, wenn du künstliche Beleuchtung und Temperaturregelung hast. Ohne das wachsen die Pflanzen kaum. Selbst in einem beheizten Gewächshaus ist die Lichtmenge im Februar zu gering, um eine gesunde Entwicklung zu gewährleisten. Es ist technisch möglich, aber für Anfänger nicht empfehlenswert.

Ist Hanf in Deutschland legal anzubauen?

In Deutschland ist der Anbau von Hanf mit einem THC-Gehalt unter 0,2 % legal, aber nur mit Genehmigung des Bundesamts für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL). Privatpersonen dürfen Hanf nur für industrielle Zwecke - wie Textilien oder Samen - anbauen. Der Anbau von Hanf mit höherem THC-Gehalt ist strafbar, auch wenn er nicht konsumiert wird.

Welcher Boden ist am besten für Hanf?

Hanf wächst am besten in lockeren, gut durchlüfteten Böden mit einem pH-Wert zwischen 6,0 und 7,5. Lehmiger Sand ist ideal, weil er Wasser speichert, aber nicht staut. Schwerer Ton oder reiner Sand sind schlecht - entweder wird die Wurzel erstickt oder die Nährstoffe laufen weg.

Wie viel Wasser braucht Hanf?

Hanf braucht etwa 2-4 Liter Wasser pro Pflanze und Woche, je nach Wetter. In heißen, trockenen Phasen mehr, im Frühling und Herbst weniger. Wichtig: Gieße nur den Boden, nicht die Blätter. Überflutung ist gefährlicher als Durst. Ein Test: Stecke deinen Finger 5 cm tief in den Boden - wenn er trocken ist, gieße.

Warum blüht meine Hanfpflanze so klein?

Das liegt meistens an zu wenig Licht, zu enger Pflanzdichte oder zu spätem Anbau. Wenn die Pflanze erst ab Juni gepflanzt wird, hat sie nicht genug Zeit, um groß zu werden, bevor die Tage kürzer werden. Auch Schatten von Bäumen oder Gebäuden kann die Blüte verhindern. Prüfe den Standort und die Aussaatzeit.

Was kommt als Nächstes?

Nach der Ernte beginnt die Trocknung. Das ist ein eigener Prozess - aber wenn du jetzt weißt, wann Hanf am besten wächst, hast du schon den wichtigsten Teil geschafft. Der nächste Schritt ist: Wie trocknest du richtig? Wie schneidest du? Und wie speicherst du die Blüten? Das ist eine andere Geschichte - aber sie beginnt mit dem richtigen Zeitpunkt.