Von Lena Krämer Jan, 12 2026
Wie wird Hanf angebaut? Schritt für Schritt für Anfänger

Hanf anzubauen ist einfacher, als viele denken - vorausgesetzt, du kennst die Grundregeln. In Deutschland ist der Anbau von Hanf mit einem THC-Gehalt unter 0,2 % legal, solange er nicht zur Rauschmittelgewinnung verwendet wird. Viele Menschen beginnen mit Hanf, weil sie natürliche Fasern für Textilien brauchen, gesunde Samen essen wollen oder einfach die Pflanze als robusten Gartenbegleiter schätzen. Doch wie genau geht das? Keine Angst, du brauchst keine Farm oder spezielle Genehmigung - nur ein paar klare Schritte.

Welche Hanfsorte wählst du?

Industrial Hemp und einer Hanfsorte mit niedrigem THC-Gehalt (unter 0,2 %), die für Faser- oder Samenerzeugung gezüchtet wurde unterscheiden. Für Anfänger ist Carmagnola eine der beliebtesten Sorten in Europa, weil sie widerstandsfähig, schnell wachsend und leicht zu pflegen ist. Andere gute Optionen sind Futura 75 und Kanada 3. Diese Sorten sind speziell für den Anbau in Mitteleuropa entwickelt worden. Sie wachsen bis zu 3 Meter hoch, brauchen wenig Pflege und produzieren viele Samen oder starke Fasern.

Vermeide Sorten mit hohem THC-Gehalt - selbst wenn sie als "Hemp" vermarktet werden. In Deutschland ist der Anbau von Hanf mit mehr als 0,2 % THC illegal, egal ob du ihn zum Rauchen oder Verkauf planst. Kaufe Samen nur von zertifizierten Anbietern, die die Sorte mit einem offiziellen Prüfbericht dokumentieren. Einige seriöse Anbieter in Deutschland sind HempFlax und Hanf-Samen.de.

Wann beginnst du mit dem Anbau?

Hanf ist eine Pflanze, die auf Wärme und Sonne steht. Die beste Zeit, um Hanfsamen in Deutschland auszusäen, ist zwischen April und Mitte Mai. Der Boden muss dann mindestens 8 °C warm sein. Wenn du zu früh säst, friert die Keimung ab. Wenn du zu spät säst, wächst die Pflanze nicht hoch genug, bevor der Herbst kommt.

Ein einfacher Trick: Warte, bis die Eicheln fallen. Wenn die Eichen ihre Früchte abwerfen, ist es Zeit für Hanf. Das ist kein Zufall - Eichen und Hanf reagieren beide auf dieselbe Tageslänge und Temperatur. In Berlin und anderen Städten in Norddeutschland ist Mitte Mai der ideale Zeitpunkt. In Süddeutschland, etwa in Bayern oder Baden-Württemberg, kannst du schon Ende April anfangen.

Wo pflanzt du Hanf?

Hanf liebt sonnige, windgeschützte Plätze. Er braucht mindestens sechs Stunden direkte Sonne pro Tag. Der Boden sollte locker, gut durchlüftet und nährstoffreich sein. Sandiger Lehm ist ideal - er hält Feuchtigkeit, aber nicht zu viel. Zu schwerer Ton oder zu trockener Sand ist schlecht.

Wenn du keinen großen Garten hast, kannst du Hanf auch in großen Töpfen anbauen. Nutze Behälter mit einem Volumen von mindestens 20 Litern pro Pflanze. Achte darauf, dass sie Abflusslöcher haben. Hanf entwickelt ein tiefes Wurzelsystem - es braucht Platz nach unten, nicht nur nach außen.

Vermeide den Anbau in der Nähe von Feldern mit Mais oder Raps. Hanf zieht Schädlinge an, die auch andere Pflanzen befallen. Außerdem kann er sich mit anderen Hanfsorten kreuzen - und das verändert den THC-Gehalt. Halte mindestens 100 Meter Abstand zu anderen Hanffeldern, wenn du in der Nähe wohnst.

Hochgewachsene Hanfpflanzen in einem Feld mit mulchbedecktem Boden.

Wie säst du die Samen?

Die Samen brauchen nur 1 bis 2 Zentimeter Erde, um zu keimen. Tief einpflanzen bringt nichts - sie ersticken. Verteile die Samen mit einem Abstand von etwa 15 bis 20 Zentimetern. Wenn du viele Pflanzen willst, kannst du sie in Reihen säen, mit 60 bis 80 Zentimetern Abstand zwischen den Reihen.

Wasser die Erde sanft, aber gründlich, nach dem Säen. Nicht zu viel - nasse, matschige Erde führt zu Schimmel und faulenden Samen. Ein Gießkanne mit feinem Sprühkopf ist perfekt. Danach brauchst du nur noch zu gießen, wenn die obersten 3 Zentimeter Erde trocken sind. Hanf ist trockenheitstolerant - er überlebt sogar kurze Dürrephasen.

Die Keimung dauert 3 bis 10 Tage. Wenn du nach zwei Wochen noch nichts siehst, ist die Saat wahrscheinlich tot. Dann legst du neue Samen nach - aber nicht an derselben Stelle. Der Boden braucht eine Pause.

Wie pflegst du die Pflanzen?

Hanf ist eine der pflegeleichtesten Pflanzen, die du anbauen kannst. Du brauchst keinen Dünger, wenn der Boden gut ist. Wenn du aber mehr Ertrag willst, gibst du im Juni eine kleine Dosis organischen Dünger - zum Beispiel Kompost oder verrotteten Mist. Zu viel Nährstoffe machen die Pflanzen anfällig für Pilze.

Unkraut ist dein größtes Problem. Die ersten 4 Wochen nach der Keimung musst du regelmäßig jäten. Danach wächst Hanf so schnell, dass Unkraut keine Chance hat. Ein Mulch aus Stroh oder Holzspänen hilft - er hält die Feuchtigkeit, unterdrückt Unkraut und schützt die Wurzeln.

Keine Schädlinge? Fast. Hanf ist widerstandsfähig, aber nicht unschlagbar. Blattläuse und Spinnmilben können auftreten, besonders bei trockener Luft. Sprühst du die Pflanzen mit Wasser, löst du oft das Problem. Bei schwerem Befall hilft ein natürlicher Pflanzenschutz wie Neemöl - aber nur, wenn du ihn auf die Blattunterseiten sprühst.

Getrocknete Hanfstängel hängen kopfüber, Samen fallen in eine Schale.

Wann und wie erntest du?

Die Erntezeit hängt davon ab, was du willst. Wenn du Samen willst, erntest du zwischen Ende August und Mitte September. Die Samen sind reif, wenn sie dunkelbraun sind und leicht aus den Blüten fallen. Schneide die Stängel ab und hänge sie kopfüber in einer trockenen, dunklen Hütte. Nach zwei Wochen fallen die Samen von selbst ab - du kannst sie abklopfen oder sieben.

Wenn du Fasern willst, erntest du früher - zwischen Ende Juli und Anfang August. Die Stängel sind dann noch grün, aber fest. Die Fasern sind am stärksten, bevor die Pflanze blüht. Du schneidest die Stängel knapp über dem Boden, bündelst sie und lässt sie 3 bis 4 Wochen im Freien liegen, um sie zu retten. Das nennt man "Rückgewinnung". Danach kannst du die Fasern abziehen und trocknen.

Wenn du Hanf für CBD oder andere Inhaltsstoffe anbaust - vergiss es. In Deutschland ist das nicht erlaubt, es sei denn, du hast eine Sondergenehmigung. Selbst wenn du nur eine Pflanze hast, riskierst du eine Strafe, wenn du die Blüten verwendest.

Was passiert mit der Pflanze nach der Ernte?

Hanf ist eine der nachhaltigsten Pflanzen der Welt. Nach der Ernte kannst du die Stängel als Mulch verwenden, sie kompostieren oder als Brennstoff für den Ofen nutzen. Die Samen kannst du essen - sie sind reich an Omega-3, Eiweiß und Mineralien. Röste sie leicht und streu sie über Salat, Joghurt oder Müsli. Oder presse sie zu Hanföl - das ist gesund, aber teuer. Ein Liter Hanföl kostet in Deutschland etwa 25 Euro, weil es nicht industriell produziert wird.

Wenn du Fasern gewonnen hast, kannst du sie zu Seilen, Stoffen oder sogar Bauplatten verarbeiten. Viele Handwerker in Berlin und Leipzig nutzen Hanffasern für ökologische Möbel und Wände. Es ist kein Trend - es ist eine alte Technik, die neu entdeckt wird.

Was kann schiefgehen?

Der häufigste Fehler: zu viel Wasser. Hanf mag Feuchtigkeit, aber nicht Staunässe. Wenn die Wurzeln im Wasser stehen, stirbt die Pflanze. Achte auf Abfluss.

Ein weiterer Fehler: zu viel Dünger. Hanf wächst auch ohne. Wenn du es übertreibst, bekommt sie gelbe Blätter und wird anfällig für Pilze. Einmal im Juni reicht.

Und dann ist da noch die rechtliche Seite. In Deutschland darfst du Hanf anbauen - aber nur, wenn du ihn nicht als Rauschmittel verwendest. Das bedeutet: keine Blüten sammeln, keine Öle herstellen, keine Dämpfe erzeugen. Selbst wenn du denkst, du machst es nur für dich - die Polizei kann dich kontrollieren. Und wenn sie THC in deinen Pflanzen finden, ist es kein kleiner Verstoß. Es ist eine Ordnungswidrigkeit - mit Geldstrafen bis zu 5.000 Euro.

Also: bleib bei Samen und Fasern. Das ist legal. Das ist sicher. Und das ist sinnvoll.

Kann ich Hanf im Garten anbauen, wenn ich in einer Mietwohnung wohne?

Ja, du kannst Hanf in Töpfen auf dem Balkon oder im Garten anbauen - solange du dich an die Gesetze hältst. Der THC-Gehalt muss unter 0,2 % liegen, und du darfst die Blüten nicht nutzen. Achte darauf, dass die Pflanzen nicht von Nachbarn gesehen werden, die sich beschweren könnten. Viele Mieter in Berlin nutzen große Kübel mit 30 Litern Volumen - das ist ausreichend für 2 bis 3 Pflanzen.

Wie viel Hanf kann ich pro Quadratmeter anbauen?

Auf einem Quadratmeter kannst du 4 bis 6 Hanfpflanzen anbauen, wenn du sie mit 40 bis 50 Zentimetern Abstand setzt. Das ist optimal für Luftzirkulation und Licht. Wenn du zu viele Pflanzen auf zu kleiner Fläche anbaust, werden sie dünn und anfällig für Krankheiten. Weniger ist mehr - besonders für Anfänger.

Brauche ich eine Genehmigung, um Hanf anzubauen?

Nein, du brauchst keine Genehmigung, wenn du Hanf für Faser- oder Samenerzeugung anbaust und der THC-Gehalt unter 0,2 % bleibt. Du musst aber die Sorte dokumentieren können. Wenn du Samen kaufst, frage nach dem Zertifikat. Wenn du Hanf aus dem Ausland importierst, ist das oft illegal. Kaufe immer lokal zertifizierte Samen.

Kann ich Hanf im Winter anbauen?

Nein, Hanf ist eine Sommerpflanze. Sie braucht mindestens 120 Tage mit Temperaturen über 10 °C. Im Winter stirbt sie ab - selbst in Gewächshäusern. Wenn du ganzjährig etwas anbauen willst, probiere Kräuter wie Petersilie oder Schnittlauch. Hanf ist kein Wintergewächs.

Ist Hanf-Anbau für Kinder sicher?

Ja, wenn du dich an die Regeln hältst. Hanfsamen sind nicht giftig, und die Pflanze produziert keine Rauschsubstanzen. Aber Kinder sollten nicht mit den Blüten spielen oder sie essen. Selbst wenn der THC-Gehalt niedrig ist, kann der Kontakt mit Blütenblättern bei empfindlichen Personen zu unerwünschten Reaktionen führen. Erkläre Kindern, dass Hanf keine Spielzeugpflanze ist - sondern eine Nutzpflanze.