Wenn du zum ersten Mal Hanfsamen anbaust, ist der erste Gedanke oft: Wie fange ich überhaupt an? Es ist nicht wie Tomaten oder Basilikum. Hanf hat seine eigenen Regeln, und wer sie nicht kennt, scheitert oft schon bei der Keimung. Keine Sorge - es ist einfacher, als viele denken. Du brauchst keine große Fläche, keine teure Ausrüstung und auch keine Genehmigung, solange du nur Hanfsamen mit weniger als 0,2 % THC verwendest. Das ist legal in Deutschland. Hier zeige ich dir, wie du von der Saat bis zur Pflanze erfolgreich durchkommst - ohne überflüssigen Ballast.
Wähle die richtigen Hanfsamen
Nicht alle Hanfsamen sind gleich. Du musst zwischen industriellen Hanfsamen und CBD-Hanfsamen unterscheiden. Beide sind legal, aber sie haben unterschiedliche Zwecke. Für Anfänger sind industrielle Hanfsamen die bessere Wahl. Sie kommen von zugelassenen Sorten wie Finola, Futura 75 oder USO-31. Diese Sorten wachsen schnell, sind robust und enthalten kaum THC. Du findest sie in spezialisierten Samenhändlern wie Hanf-Samen.de, Hempflax oder in lokalen Gärtnereien, die auf Bio-Saatgut setzen.Vermeide Samen von unbekannten Online-Shops, die versprechen, „starke CBD-Pflanzen“ zu liefern. Oft sind das nur illegale Marihuana-Samen mit hohem THC-Gehalt. Prüfe immer, ob der Händler die EU-Zulassung für Hanfsaatgut aufweist. Ein seriöser Anbieter gibt dir die Sortennummer, das Herkunftsland und die THC-Analyse an.
Keimung: Der kritischste Schritt
Die Keimung ist der Moment, in dem viele scheitern. Hanfsamen brauchen Wärme, Feuchtigkeit und Dunkelheit - nicht viel mehr. Hier ist die einfachste Methode:- Wische die Samen mit einem feuchten Tuch ab, um Staub zu entfernen.
- Lege sie zwischen zwei feuchte Küchenpapierblätter.
- Stecke das Papier in einen verschließbaren Plastikbeutel oder ein Glas mit Deckel.
- Stelle es an einen warmen Ort - ideal sind 22 bis 26 Grad Celsius. Die Fensterbank über dem Heizkörper ist perfekt.
- Prüfe alle 12 Stunden: Das Papier muss immer feucht sein, aber nicht nass.
Innerhalb von 24 bis 72 Stunden sprießen die ersten Wurzeln - sie sehen aus wie winzige weiße Fäden. Sobald die Wurzel 1 bis 2 Zentimeter lang ist, ist es Zeit, sie in die Erde zu setzen. Nicht länger warten. Die Wurzel ist empfindlich. Wenn sie trocknet, stirbt die Pflanze.
Die richtige Erde und der richtige Topf
Hanf liebt lockere, gut durchlüftete Erde. Normale Blumenerde ist zu schwer und hält zu viel Wasser. Du brauchst eine Mischung aus:- 60 % Kokosfasern (Coir)
- 30 % Perlite oder Vermiculit
- 10 % Kompost oder Bio-Dünger
Diese Mischung sorgt dafür, dass die Wurzeln atmen und nicht faulen. Verwende Töpfe mit mindestens 5 Litern Fassungsvermögen. Kleinere Töpfe führen zu Wurzelengpässen - die Pflanze bleibt klein und schwach. Ein 10-Liter-Eimer aus Kunststoff oder Ton ist ideal für den Anfang. Achte darauf, dass der Boden Löcher hat. Ohne Drainage stirbt die Pflanze schneller, als du denkst.
Pflanzen und erste Pflege
Wenn die Wurzel sprießt, machst du ein kleines Loch in die Erde - etwa 1,5 bis 2 Zentimeter tief. Lege den Samen mit der Wurzel nach unten hinein. Nicht mit der Spitze nach oben - das ist ein häufiger Fehler. Bedecke es vorsichtig mit Erde, drücke nicht fest. Gieße dann nur ganz leicht - so, als würdest du einem Baby Wasser geben. Zu viel Wasser führt zu Schimmel und Wurzelverrottung.Stelle den Topf an einen hellen Ort, aber nicht in die direkte Sonne. Ein Fenster mit Ost- oder Südostausrichtung ist ideal. Die Pflanze braucht jetzt 16 bis 18 Stunden Licht pro Tag. Wenn du kein natürliches Licht hast, reicht eine einfache LED-Wachstumsleuchte mit 6500 K Farbtemperatur. Du brauchst keine teure HPS-Lampe - das ist für Profis.
Wasser, Dünger und Temperatur
Hanf ist kein Durstiger. Gieße nur, wenn die obersten 2 Zentimeter Erde trocken sind. Stecke deinen Finger in die Erde - wenn sie kalt und feucht ist, warte. Zu viel Wasser ist die Nummer eins, warum Anfänger scheitern.Düngen brauchst du erst nach 3 bis 4 Wochen. Bis dahin hat die Pflanze genug Nährstoffe aus der Samenschale. Danach verwendest du einen organischen Flüssigdünger mit niedrigem Stickstoffgehalt - ideal ist ein Hanf-spezifischer Dünger mit NPK-Werten wie 3-2-4. Vermeide chemische Dünger. Sie verbrennen die Wurzeln und schaden der Bodenlebensgemeinschaft.
Die Temperatur sollte zwischen 20 und 28 Grad liegen. Unter 15 Grad bleibt die Pflanze stehen. Über 30 Grad stressen sie. In Berlin ist das im Frühjahr kein Problem - solange du sie nicht draußen stellst, bevor die Nachttemperaturen über 10 Grad steigen. Das ist meist erst Ende Mai der Fall.
Wann wirst du etwas sehen?
Nach 5 bis 7 Tagen sprießen die ersten Blätter - sie sehen aus wie kleine, zarte Fächer. Das sind die ersten echten Blätter. Die ersten beiden Blätter, die aus dem Samen kommen, sind die Keimblätter - sie fallen bald ab. Das ist normal. Ab Woche 3 wächst die Pflanze schneller. Sie entwickelt mehr Blätter, wird höher, und die Stängel werden stabiler. Wenn du nach 4 Wochen noch nichts siehst, war die Keimung gescheitert. Dann probier es mit neuen Samen.Was du vermeiden musst
Hier sind die fünf größten Fehler, die Anfänger machen:- Zu viel gießen: Hanf verträgt Trockenheit besser als Nässe.
- Zu viel Licht auf einmal: Direkte Mittagssonne verbrennt junge Blätter.
- Unreine Erde: Normale Gartenerde aus dem Baumarkt ist oft mit Pilzen und Unkrautsamen verseucht.
- Früh draußen stellen: Frost oder kalte Nächte töten die Pflanze.
- Keine Beobachtung: Hanf zeigt dir, was sie braucht - wenn du hinsiehst.
Beobachte deine Pflanze. Wenn die Blätter gelb werden, ist es oft zu viel Wasser oder ein Mangel an Magnesium. Wenn sie sich krümmen, braucht sie mehr Licht. Hanf kommuniziert - du musst nur lernen, zuzuhören.
Wie lange dauert es bis zur Ernte?
Wenn du Hanf für die Fasern oder als Zierpflanze anbaust, brauchst du 10 bis 14 Wochen. Die Pflanze wächst schnell - bis zu 10 Zentimeter pro Woche. Sie wird bis zu 2 Meter hoch. Wenn du CBD-Blüten willst, musst du auf die Blütephase warten - das dauert länger, und die Pflanze muss dann in einen 12/12-Lichtzyklus wechseln. Aber das ist für Anfänger nicht nötig. Fange mit der einfachen Variante an: Pflanze, beobachte, lerne.Am Ende der Saison kannst du die Stängel trocknen und die Fasern für Bast, Seile oder Deko nutzen. Oder du lässt die Pflanze einfach stehen - sie ist schön, grün und ruhig. Hanf braucht keine Ernte. Sie braucht nur eine Chance.
Kann ich Hanfsamen direkt in die Erde säen?
Ja, aber nur, wenn die Bodentemperatur über 12 Grad liegt und kein Frost mehr droht - meist ab Mitte Mai. Direktsaat ist riskant, weil Samen von Vögeln gefressen werden, von Regen weggespült werden oder nicht genug Licht bekommen. Für Anfänger ist die Keimung im Haus sicherer.
Brauche ich eine Genehmigung zum Anbau von Hanfsamen?
Nein, wenn du Hanfsamen mit einem THC-Gehalt von unter 0,2 % verwendest - das ist in Deutschland legal. Du brauchst keine Erlaubnis, keine Anmeldung, keine Kontrolle. Aber du darfst keine Pflanzen mit höherem THC anbauen. Achte darauf, dass der Samenhersteller die EU-Zulassung hat.
Warum wächst meine Hanfpflanze nicht?
Die häufigsten Gründe sind: zu wenig Licht, zu viel Wasser, kalte Temperaturen oder schlechte Erde. Prüfe zuerst die Erde - sie sollte trocken sein, bevor du gießt. Dann prüfe die Lichtquelle. Hanf braucht mindestens 6 Stunden helles Licht täglich. Wenn du sie im Keller hältst, wächst sie nicht.
Kann ich Hanf im Zimmer anbauen?
Ja, sogar sehr gut. Hanf ist eine der besten Zimmerpflanzen für Anfänger. Sie braucht wenig Pflege, filtert die Luft und wächst schnell. Stelle sie ans Fenster, gieße sparsam, und du hast eine lebendige Dekoration, die auch noch sauberer Luft sorgt.
Wie erkenne ich, ob meine Hanfpflanze gesund ist?
Eine gesunde Hanfpflanze hat kräftig grüne Blätter, stabile Stängel und wächst gleichmäßig. Die Blätter sind nicht gelb, nicht braun, nicht krumm. Wenn du sie anfasst, fühlt sie sich fest an - nicht weich oder matschig. Und sie zeigt neue Blätter jede Woche. Das ist das beste Zeichen.
Matthias Papet
Ich hab’s letztes Jahr zum ersten Mal versucht und dachte, ich schaff’s nicht – aber mit dieser Anleitung wars wie Zauberei. Die Keimung im Küchenpapier hat super funktioniert, und plötzlich stand da eine kleine Pflanze, die mich jeden Morgen begrüßt hat. Kein Stress, kein teures Zeug – nur Geduld und ein bisschen Sonne. Wer’s probiert, wird’s lieben.